|
Provokante Kompositionen
|
 |
Das Urban-Klaviertrio überzeugt beim zweiten Studiokonzert im Walburgissaal mit Perfektion
– „Ich will mit meiner Musik die erschlafften Muskeln einer betulich schöngeistigen Zuhörerschaft zu
neuer Tätigkeit anregen, die Ohrenmuskeln, Kopfmuskeln, die Herzmuskeln und die Seelenmuskeln.“ So
erklärte der amerikanische Komponist, Charles Ives (1874-1954), seine Musik. Das ist ihm offensichtlich
gelungen am Samstagabend im nahezu ausverkauften Studiokonzert.
|
Die Freunde der Kammermusik verfolgten „jenseits ausgetretener Pfade“ ein facettenreiches Programm, das ihnen vom Urban-Klaviertrio in hoher Perfektion geboten wurde.
Mathias Neundorf, der in Singen schon mehrfach aufgetretene Geiger, mit seiner Guarneri aus dem Jahre 1680, Katrin Hirzel, Cellistin, deren klangintensives Spiel begeisterte und die russische Pianistin, Natalia Dyatchina, die am wunderbar klangvollen Flügel das „Herz“ dieser Kammermusik-Formation war.
Das einzig erhaltene Klaviertrio von Charles Ives (1874-1954), 1904 komponiert und erst 1948 uraufgeführt ist ein scheinbar tollkühn sorgloses Werk, bestehend aus Lied-Collagen, die Ives den Studenten abgelauscht hat. Eine Melodie verdrängt die andere, Rhythmen und Tonarten verwirren sich zu chaotisch anmutenden Gebilden, die beim ersten Hören Willkür suggerieren. Doch schon am hochkonzentrierten Spiel der drei Musiker wird bald klar, dass hier eine genau kalkulierte Ordnung herrscht.
Zitate und verschlüsselte Melodien zeichnen sich ab und verlangen hohe Konzentration von den Spielern und den Zuhörern. Ives, dessen bissiger Humor nicht zu überhören ist, bezeichnet den 2. Satz „TSIAJ.Presto“, eine Abkürzung, die signalisieren soll: „This Scherzo Is A Joke“.
Das eingangs gespielte Klaviertrio op.1 Nr.3 c-moll, von Ludwig van Beethoven (1770-1827) war wohl seinerzeit ebenfalls eine provokante Komposition, denn Joseph Haydn, väterlicher Freund Beethovens riet damals davon ab, dieses Werk zu veröffentlichen. Hier erlebten die Zuhörer das sensible Zusammenspiel,
solistische, makellose Passagen dreier Künstler, die den Hörer jede Schwierigkeit vergessen lassen und Kammermusik auf sehr hohem Niveau präsentierten.
Das „Dumky-Trio“ e-moll, op.90 von Antonin Dvorak (1841-1904), bot reichlich Gelegenheit dem Ideenreichtum slawischer Gesänge und tänzerischen Abschnitten genüsslich zu lauschen.
Bei der gut gewählten Zugabe, Fritz Kreislers „Liebesleid“ im Arrangement für Klaviertrio, konnten die Zuhörer sich noch einmal satt hören am bezaubernden Violinklang des Primarius, Mathias Neundorf. Begeisterter Applaus für einen großen Abend.
MARGARETE FINCKH
Südkurier
vom 2.Februar 2012
|
zurück
zur Presse-Übersicht |
 |
|
 |
|